Kleine Ziele führen zum Erfolg - Der Agile Prozess

“Agile” ist in aller Munde, jeder sagt er arbeite agil mit Prozessen wie Scrum oder Kanban.

Eine hübsche Grafik in der Präsentation bedeutet jedoch noch nichts, vorallem nicht wenn der Kunde begeistert zustimmt, dann aber trotzdem sein Pflichtenheft hervor nimmt, nahezu alle seine Wünsche mit Priorität 1 versieht und bereits zu Beginn des Projektes als “so zu erledigen” zementiert.

Bedeutung “agil” laut Duden: “von großer Beweglichkeit zeugend; regsam und wendig”.

Das Pflichtenheft

Früher hatten wir es einfach. Der Kunde entwarf allein oder mit der Webagentur zusammen ein Pflichtenheft mit allen Funktionen und Bestandteilen der neuen Website. Dieses Pflichtenheft wurde abgenommen, ein Abgabetermin definiert und die Agentur präsentierte das fertige Produkt nach ein paar Monaten, nachdem die Designer, Entwickler & Texter ihre Arbeit getan haben.

Okay, so einfach war es dann doch nicht.. Bestimmte Fragestellungen tauchen erst während der Umsetzung auf, Denkfehler im Pflichtenheft werden unreflektiert umgesetzt, die Arbeit wird unterschätzt und Zeitverzögerungen sind vorprogrammiert. Zusätzlich kommen während der Projekt-Umsetzung neue Ideen hinzu die man ebenfalls noch versucht zu berücksichtigen, was wiederum Zusatzkosten bedeutet. Und am Ende hat man ein Produkt das irgendwie nicht zu 100% konsistent ist, beim Erscheinen bereits veraltet ist und häufig auch emotional nicht so wahrgenommen wird wie man es sich als Kunde die ganze lange Zeit vorgestellt hat.

Vom Pflichtenheft zu Sprint-Scopes

Die Agile Umsetzung hingegen lebt von Veränderung.
Wir wandeln das Pflichtenheft nun also in einzelne Anforderungen um, einige sind sehr Wichtig, andere weniger. Zusammen mit der gemeinsam geschaffenen Projekt-Vision kann die umsetzende Agentur abschätzen mit wieviel Zeit- & Kosten-Aufwand zu rechnen ist und weiss jederzeit wohin die Reise geht.
Die Reise selbst ist jedoch nicht durchgeplant, nur die Richtung ist im Rahmen von Sprints für jeweils 1-2 Wochen gesetzt.

Für einen Sprint werden die am höchsten priorisierten Anforderungen vom Team besprochen, geschätzt und eingeplant; das ergibt den nächsten Sprint-Scope. Ist der Sprint abgearbeitet folgt eine Neubeurteilung der noch offenen Anforderungen, denn je weiter das Projekt fortschreitet desto genauer sehen Sie ob die Projekt-Vision und der aktuelle Stand übereinstimmen. Ändert sich etwas oder kommt eine neue Anforderung hinzu, ändert sich beim nächsten Sprint einfach die Priorisierung und Zusammensetzung der Anforderungen.

Mehr Arbeit - Weniger Leerlauf

Zugegeben, Sie selber müssen sich mehr Zeit reservieren und sich - geführt durch die Agentur - aktiv an der Umsetzung beteiligen.
Sie haben so aber auch die Garantie, dass Sie nicht falsch verstanden wurden und im Stillen einfach Ihr Geld verbrannt wird.

Etwa nach ⅔ des Projektbudgets haben Sie bereits eine funktionierende Webapplikation, noch nicht jede Anforderung ist realisiert, aber alle hoch priorisierten. Sie können bereits Erfahrungen mit dem neuen Produkt machen und diese auch gleich in die Umsetzung einfliessen lassen.

Tipp

Vertrauen Sie Ihrem Umsetzungspartner, dass er Sie nicht unnötig strapaziert. Er wird sie nicht täglich um eine Freigabe bitte. Machen Sie zusammen im Voraus wöchentliche Sprint-Planning-Meetings ab, lassen Sie die Agentur die restliche Zeit ihre Arbeit machen und verfolgen Sie wie Ihre Idee immer mehr zur Realität wird.

Zusammenfassung

  • Vermeiden Sie es, Pflichtenhefter umsetzen zu lassen
  • Vertrauen Sie Ihrem Umsetzungspartner
  • Reservieren Sie sich Zeit um laufend am Projekt mitzuwirken
  • Bleiben Sie jederzeit offen für eine bessere Lösung, nichts ist in Stein Pflichtenheft gemeisselt!

1. Juni 2017
Stefan Bruggmann

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